ÜberLeben

Leben ist kostbar. Zeit ist kostbar. Wer es vergessen hatte, wurde durch die Ereignisse der letzten Jahre daran erinnert.

Existentielle Fragen und Erfahrungen - wie spiegeln sie sich in Musik? Die Programme der Kirchenmusiktage 2022 geben unterschiedliche Beispiele.

Berserkerhafte Klangwut von Max Reger bis Akira Nishimura steht im Mittelpunkt des Orgelkonzerts „Inferno“, mit dem der junge Organist Sebastian Ruf sich in Fürth vorstellt (11.11., St. Heinrich). Psalmvertonungen, in denen Salamone Rossi und Heinrich Schütz ihre persönliche Lebenszeit reflektieren - die von der künstlerisch-philosophischen Aufbruchstimmung der Moderne ebenso geprägt war wie von der Grausamkeit des unter Glaubens-Vorwänden geführten Dreißigjährigen Kriegs -, erklingen im Konzert „Barockmusik: Vom Leben getroffen“ von Ingeborg Schilffarth (13.11., St. Michael).

Traditionell wird in Kriegszeiten die aus dem spätantiken römischen Messe-Text stammende Formel „Dona nobis pacem“ beschwörend aufgegriffen - so auch in Dieter Neuhofs multimedialem „Concerto illuminato“ mit Posaunen- und Orgelmusik von Barock bis Gegenwart (18.11., Unsere Liebe Frau). Komplementär dazu machen die „Kyrie“-Rufe von vier Fürther Chören den Auftakt beim Ökumenischen Gottesdienst (20.11., Christkönig).

Weiterentwicklung des musikalischen Repertoires durch die Entdeckung unbekannter musikalischer Lebens-Werke: Das bietet Sirka Schwartz-Uppendieck im Konzert „Romantische Musik à la française“. Orgelmusik des Jahresjubilars César Franck bildet eine neue Konstellation mit Liedern und Klaviermusik seiner Schülerinnen Augusta Holmès und Mélanie Bonis (25.11., Auferstehungskirche). Erfrischend neu erzählt wird auch eine bekannte Geschichte für Kinder: Um kreative Überlebensstrategien gegen Manipulation und Täuschung geht es im Familien-Orgelkonzert „Schneewittchen und die sieben Töne“ von Dieter Neuhof, Michael Herrschel und Lena Miller (27.11., Unsere Liebe Frau).

Offene, aufregende Fragen nach dem Woher und Wohin des humanen Daseins und Denkens - zwischen Mythos und moderner Naturbetrachtung, ausgreifend in kosmische Dimensionen - verwandeln sich in sphärisch-sinnliche Hörbilder: im Konzert „Neue Musik: Zeit.Splitter.Klänge“ von Sirka Schwartz-Uppendieck mit Kompositionen von Yulim Kim (02.12., Auferstehungskirche).

Hymnisch und meditativ gestalten Andreas König und Matthias Hofknecht den Abschluss des Veranstaltungsreigens: mit Harfen-Intermezzi und vitaler „Chormusik zum Advent“ aus der Feder von Francesco Durante und Camille Saint-Saëns (04.12., Christkönig).

Lust und Freude am Hören wünscht Ihnen das Team der Kirchenmusiktage. Detaillierte Informationen finden Sie hier.