Umbrüche anno 18

55. Fürther Kirchenmusiktage vom 10. November bis 8. Dezember 2018

Das „Jahr 18“ hat viele Gesichter: Man denke an den Schock des Kriegsbeginns 1618, oder an die Hoffnungen beim Kriegsende 1918. Und heute? In welchen Umbrüchen leben wir 2018? Bei den Fürther Kirchenmusiktagen, die vom 10. November bis zum 8. Dezember in sechs verschiedenen Kirchen der Kleeblattstadt stattfinden, kann man erleben, wie eng Musik mit Politik und Geschichte zusammen hängt - früher wie heute.

Das Eröffnungskonzert „Stadt im Licht“ am 10.11. in St. Paul setzt mit festlicher Orgel- und Chormusik einen leuchtenden Akzent: für eine offene Kirche als Ort von Begegnung und Kultur. Gordian Teupke dirigiert Johannes Brahms („Warum ist das Licht gegeben“) und Frank Martin (Messe für zwei Chöre), Sirka Schwartz-Uppendieck spielt an der Walcker-Orgel, der größten Orgel Fürths, Symphoniesätze von Louis Vierne und als Uraufführung die „Kreuzweg“-Meditation der Münchner Komponistin Dorothea Hofmann.

Zwei Komponisten, die im Revolutionsjahr 1918 geboren wurden, ehrt Ingeborg Schilffarth im Konzert „Ekklesiastische Aktion“ am 23.11. in St. Michael: zusammen mit der Fränkischen Kantorei und den Nürnberger Philharmonikern führt sie das gleichnamige Werk von Bernd Alois Zimmermann zusammen mit den sinfonischen „Chichester Psalms“ und der „Jeremiah“-Klage von Leonard Bernstein auf - beide Komponisten reflektieren in diesen Werken ihre religiösen Wurzeln und rütteln mit humanen Botschaften auf. Ergänzt wird das Programm durch Kammermusik von Johannes Brinkmann.

Mit der „Cäcilienmesse“ am 25.11. in Unsere Liebe Frau feiert Dieter Neuhof einen musikalischen Weltbürger, der vor 200 Jahren, anno 1818, zur Welt kam: den Komponisten Charles Gounod. Als Prolog zu dem monumentalen Oratorium sind ein Symphoniesatz von Gounod und ein Satz aus seinem Requiem zu hören. Es singen der Chor der katholischen Stadtkirche und der Kammerchor Musica Viva, es spielt das Orchester KlangLust!

Im dritten Orchesterkonzert, „Umbrüche: Musik 1618…1718…1818…1918…2018“ am 1.12. in der Auferstehungskirche, stellen Sirka Schwartz-Uppendieck (Klavier), Bernd Müller und das Farrenc Orchester faszinierende Werke aus fünf Jahrhunderten vor. Der klingende Zeitstrahl reich von barocken Antikriegs-Chorälen (1618) über revolutionäre brasilianische Ballettmusik von Darius Milhaud („Le bœuf sur le toit“, 1918) bis zur Uraufführung der Opernszene „Atalja“ von Yulim Kim, einem biblischen Polit-Krimi mit überraschend offenem Ende.

Frischen Wind in alte Heiligenlegenden bringen zwei Nachmittagsveranstaltungen mit Kinder- und Jugendchören: Der Ökumenische Gottesdienst am 11.11. in Christkönig steht unter dem Motto „Bitte wenden! Sankt Martin folgt dem Licht.“ Im Song-Spiel „Leo und die Zeitreisenden“ am 18.11. im Gemeindehaus St. Paul verschlägt es den Gefangenen-Befreier Leonhard von Limoges in die Gegenwart. Die Songs hat Lorenz Trottmann komponiert. Ganz historisch ist dagegen das Kinderorgelkonzert am 12.11. in Unsere Liebe Frau. Hier stellen Dieter Neuhof und Michael Herrschel ein Grimmsches Märchen von 1818 vor: „Hans im Glück“, eine antikapitalistische Geschichte aus dem Geburtsjahr von Karl Marx.

Für die Umbrüche des Jahres 1818 gibt es auch einen lokalhistorischen Bezug: 1818 wurde Fürth zur „Stadt 1. Klasse“ erhoben. Die stolzen klassizistischen Akzente, die daraufhin im Stadtbild gesetzt wurden, hat Andreas König zu einer musikalischen Hommage inspiriert. In seinem Orgelkonzert am 16.11. in St. Heinrich verbindet er „Klassizismus & Neoklassizismus“: Am frisch restaurierten Eisenbarth-Instrument spielt er Werke von Mendelssohn, Schumann, Hindemith und Françaix.

Beim Abschlusskonzert des Festivals, dem Adventskonzert „Stille Nacht“ am 8.12. in der Auferstehungskirche, ist der Dresdner Kreuzorganist Holger Gehring mit einem Solo-Recital zu erleben. An der romantisch intonierten Späth-Orgel lässt er die wohl prominenteste Melodie des Jahres 1818 erklingen: das Lied „Stille Nacht“, sensibel variiert von Max Reger und flankiert durch adventliche Orgelwerke von Johann Sebastian Bach bis Olivier Messiaen.

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Für die künstlerische Leitung des Festivals zeichnen Sirka Schwartz-Uppendieck und Ingeborg Schilffarth verantwortlich, in ökumenischer Zusammenarbeit mit ihren Kollegen Matthias Hofknecht, Andreas König und Dieter Neuhof.

Herzliche Einladung zur Mitgliedschaft

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